Segen oder Fluch? Der Einfluss von KI und Bots auf Gaming

Maschinen mit eigener Intelligenz – vor ein paar Jahrzehnten noch Utopie und oftmals der Stoff von Horrorfilmen, ist KI heute aus vielen technologischen Bereichen und modernen Unternehmen kaum noch wegzudenken. Ein wichtiger Sektor ist dabei Gaming, wo künstliche, computergesteuerte Spieler und Bots einerseits hilfreich sein können, andererseits aber auch eine Gefahr darstellen und nicht immer erlaubt sind, wie beispielsweise bei Glücksspielen. Wie entwickelte sich künstliche Intelligenz, wie beeinflussen sie das Spielerlebnis, und wie kann ein Spieler gerade bei Multiplayer Games wie Fortnite oder Fifa vom Spielen gegen Bots profitieren?

Was passiert, wenn Maschinen eigene Intelligenz besitzen, das heißt, selbständig lernen oder sich den Fähigkeiten, Vorlieben sowie dem Verhalten eines Menschen anpassen können? Zunächst war dies eine erschreckende Vorstellung, die zu Gestalten wie Frankenstein, dem Golem oder bereits im 16. Jahrhundert zu der Theorie des Homunculus führte. Wenn heute Siri oder Alexa auf unsere Anfragen antworten, und Facebook oder Twitter unsere Präferenzen erkennen, gruselt sich hingegen kaum noch jemand, und auch in beruflichen Bereichen erleichtert und optimiert KI viele Arbeitsprozesse und spart damit Personal sowie Kosten.

Segen oder Fluch? Der Einfluss von KI und Bots auf Gaming
(Quelle: Unsplash)

Im Spielbereich kam es 1997 zu einem Meilenstein, als der IBM-Rechner „Deep Blue“ den damaligen amtierenden Schachweltmeister Garry Karparov besiegte, und damit in einem Bereich gewann, wo man damals gemeinhin annahm, dass der Mensch stets der Maschine überlegen sei. IBM erlangte dadurch große Aufmerksamkeit und einen besonders innovativen Ruf, obwohl der Sieg im Grunde nicht der Intelligenz des Computers zu verdanken war, sondern eher seiner Leistungsfähigkeit. Die damals angewandte Technologie bezeichnete man als „Brute Force“, übersetzt rohe Gewalt, mit der Deep Blue schnell alle möglichen, erdenklichen Züge durchrechnete. Mit dem Fortschritt von Software und Hardware wandelte sich auch KI und nahm seit 2010 Einzug in zahlreiche Alltagsanwendungen. Neuronale Netze, Multi-Core-Architektur und Algorithmen sind in diesem Bereich bekannte Schlagworte. „Deep Learning“ ist dabei im Bereich maschinellen Lernens eine weithin bekannte Methode der Informationsverarbeitung, die neuronale Netze nutzt. Große Datenmengen werden hierbei verarbeitet und analysiert. Aufgrund der vorhandenen Informationen kann eine Maschine dann Prognosen erstellen und Entscheidungen treffen, indem erlerntes Wissen immer mit neuen Inhalten verknüpft wird, das System also unabhängig von menschlichen Eingriffen stetig dazulernt.

Was heute in vielem Unternehmen die Arbeit erleichtert, Prozesse optimiert, menschliche Fehler ausschaltet und damit für größere Zuverlässigkeit sorgt, ist nicht in allen Bereichen erwünscht. Auch wenn Bots generell nicht für klüger als Menschen gehalten werden, besitzen sie dennoch den Ruf für unfaire Verhältnisse zu sorgen. Beim Pokern Online sind sie beispielsweise nicht erlaubt, die Anbieter von Internet-Casinos sind deshalb stets darum bemüht, diese Bots zu identifizieren und auszuschalten oder eben zu überlisten, um sie am Gewinnen zu hindern. Jede Poker-Website besitzt ein Sicherheitsteam, das mit der Aufdeckung von künstlichen Spielern betraut ist – wie beispielsweise durch deren ständig gleiches Timing von Spielzügen, die wiederholte Anwendung eines identischen Bet-Sizing oder Verwenden bestimmter Linien.

Zudem können Bots natürlich nicht im Chat antworten. Oft existieren sie nicht einzeln, sondern als Teil eines sogenannten Bot-Rings, zu dem eine Anzahl von künstlichen Accounts gehören. Erlaubt ist dies zwar auf den Seiten ausdrücklich nicht, wirklich kriminell jedoch ebenfalls nicht. In Schweden hatte das Berufungsgericht geurteilt, dass das Verhalten von fünf Pokerspielern, die Bots eingesetzt hatten, zwar irreführend, jedoch nicht strafbar war, da den Klägern selbst kein Schaden dabei entstanden sei. Auch die Casino-Betreiber selbst sind sich weitgehend einig, dass Bots nur deshalb schädlich sind, weil sie gegen die Regeln der Seite verstoßen und die Kunden unsicher stimmen können, wird bekannt, dass sie möglicherweise gegen Bots spielen. Wäre dies allgemein hin erlaubt, seien Bots an sich jedoch nicht gefährlich, sondern können den Playern sogar Nutzen bringen wenn, wenn sie den Hausanteil der Bank erhöhen und dabei oft gigantische Volumen einbringen – denn immerhin gewinnen sie nicht häufiger als Menschen, die am Computer sitzen.

Segen oder Fluch? Der Einfluss von KI und Bots auf Gaming
(Quelle: Unsplash) Bots können in Videospielen durchaus hilfreich zum Üben sein.

In anderen Gaming-Bereichen sind KI und Bots mittlerweile Gang und Gebe, wie beispielsweise im beliebten Spiel Fortnite, wo Spieler sogar einen Vorteil darin sehen gegen den Computer zu spielen, um bestimmte Verfahren und Techniken zu üben. Bot-Spiele erlauben es beispielsweise sich ohne Gegenwehr auf der Map umzusehen und sich mit der Umgebung vertraut zu machen. Zudem, so wissen die Experten, sind Bots in der Regel nicht so intelligent wie echte Gegner und besitzen auch langsameres Reaktionsvermögen, so dass man dadurch Gelegenheit bekommt, den Baumodus des Spiels üben zu können. Wer sie nutzen will, kann sogar das System überlisten, das leere Squad-Lobbys in der Regel mit Bots auffüllt. Zudem wissen erfahrene Spieler gleichzeitig, wie sich im Spiel leicht erkennen lässt, ob man den nun gegen einen echten Spieler oder einen Computer kämpft.

Üben lässt sich auch beim Pokern oder anderen Online-Glücksspielen mit Bots, da diese es besonders Anfängern erlauben in ihrer eignen Geschwindigkeit und selbst bestimmten Schwierigkeitsstufen zu spielen, bevor sie sich an ein echtes Spiel und Geldeinsatz wagen. Gleiches gilt auch beim bekannten Konsolen-Game FIFA, wo gegen Bots gespielt wird, um bestimmte Spielfunktionen zu lernen oder auch als erfahrener Spieler „neue Spielmodi zu testen oder veränderte Spielfunktionen zu erproben“, erklärt das eSport-Lexikon der USK, eine Organisation zur freiwilligen Selbstkontrolle der Computerspielewirtschaft.

Künstliche Intelligenz ist heute weder aus modernen Unternehmen, noch aus dem Gaming-Bereich mehr wegzudenken, und muss dabei absolut nicht immer Bedenken auslösen. Derzeit besitzt KI noch lange nicht die gleichen gedanklichen Fähigkeiten wie der Mensch, sondern lernt nach wie vor von uns. Gleichzeitig können computergesteuerte, künstliche Spieler eben auch dabei helfen das eigene Spiel zu üben und zu verbessern, bevor man gegen echte Gegner antritt.