Der Zeitfaktor im Game Development

DualShock Controller
Große AAA-Titel für die Konsole werden oft über mehrere Jahre produziert (Quelle: Unsplash)

Spiele zu entwickeln ist ein aufwendiger Prozess, der oft Jahre dauern kann. Sieht man sich die Dauer von Animationsfilmen in der Entwicklung an, kann man hier oftmals schon mit extrem langen und aufwendigen Produktionen rechnen. Bedenkt man dann, dass im Spiel noch die gesamte Programmierung des Gameplays hinzukommt, kann man verstehen, wieso einige Spieltitel über 10 Jahre in ihrer Entwicklungsdauer benötigen. Wie lange ein Spiel dauert, hängt natürlich auch von der Größe des Teams und der Höhe des Budgets ab. Große Spielreihen wie Assassin’s Creed während förmlich wie am Laufband produziert, fast jedes Jahr erscheint ein neuer Ableger. Das funktioniert allerdings nur mit der Hilfe von etwa 800 bis 1000 Entwicklern, die gleichzeitig an der Produktion beteiligt sind. Wir werfen einen Blick in verschiedene Spielgenres und ihr Game Development im zeitlichen Rahmen!

Schritte in der Spielentwicklung

An einem Game oder einer Spieleapp sind je nach Umfang kleine bis zu sehr große Teams beteiligt. Indie-Games werden zum Teil von Einzelpersonen entwickelt oder von einem Entwicklungsteam mit ein- oder zweistelliger Mitgliederzahl. Geht man in den Bereich der AAA-Titel, so sind fast immer hunderte Designer, Zeichner, Programmierer und Co. an der Produktion beteiligt. Nur so kann die enorme Qualität erreicht werden, und das oft in relativ kurzer Zeit! Die Schritte in der Spielentwicklung können je nach Unternehmen variieren, da es keinen fixen Fahrplan zur Erstellung eines Games gibt. Hier haben die meisten Studios ihre eigenen Systeme. Wir wollen trotzdem auf einige Schritte eingehen, die in unterschiedlicher Reihenfolge immer Teil der Spielentstehung sind.

Am Anfang jedes Games steht natürlich die Idee. Diese ist oftmals erst ein vages Konzept, das erst mit der Zeit im Detail entwickelt wird. Das Team des Game-Designs einigt sich dabei auf die Storyline, entwickelt Charaktere, legt das Kampfsystem oder Gameplay fest und arbeitet am Design der Umwelt. Die detailgenauen Animationen, Umgebungen und Co. werden dann im Laufe der Produktion erst produziert, am Anfang geht es also nur um ein Konzept. Dann beginnen meist die ersten Arbeiten im Bereich der Programmierung. Hier müssen verschiedene Abteilungen sehr eng miteinander zusammenarbeiten, denn während das Aussehen und die Bewegungen der Charaktere animiert werden, muss auch die Steuerung entwickelt werden.

Neigt sich die Produktion dem Ende zu, beginnen zahlreiche Spieltests, in denen alle möglichen Fehler behoben werden und das Gesamtbild verfeinert wird. Dieser Prozess kann noch relativ lange dauern, denn man muss zu Beginn der Tests mit einer hohen Fehlerrate und verschiedenen Unsauberkeiten rechnen. Die gesamte Entwicklung wird von dem Game Designer überblickt, der eine ähnliche Rolle übernimmt wie der Regisseur im Film. Er muss alle Bereiche im Blick haben und für die harmonische Zusammenfügung sorgen.

Mann und Frau vor Notebook
Die Größe eines Entwicklerteams kann je nach Spiel stark variieren. (Quelle: Unsplash)

Der große Faktor Zeit 

In der Entwicklung von Spielen darf die Zeit niemals aus den Augen verloren werden. Das hat verschiedene Gründe. Der wichtigste dafür ist natürlich das Budget, denn selbst große Entwicklerstudios verfügen über begrenzte Mittel bei einer Produktion. Handelt es sich um einen großen AAA-Titel oder einen neuen Teil einer Spielreihe, bei der man von einem großen Erfolg bereits ausgehen kann, so kann das Budget meist überschritten werden, kleinere Studios können sich dies jedoch nicht so einfach leisten.

Wird an einem Spiel mehrere Monate oder sogar Jahre länger gearbeitet als geplant, muss man vor allem mit enormen Personalkosten rechnen. Außerdem kann eine Verschiebung des Releasetermins für die Publicity schlecht sein. Die meisten Studios bewerben ihre Spiele bereits frühzeitig, um bei der Erscheinung direkt einen Absatz zu kreieren. Dazu sollte man jedoch versuchen, angekündigte Daten wirklich einzuhalten. Um das zu garantieren, benötigt es einen guten und vor allem realistischen Zeitplan, der bereits zu Beginn vorhanden sein muss.

Die Art von Spiel entscheidet darüber, wie lange man für die Entwicklung berechnen muss, bzw. wie viele Menschen daran arbeiten müssen. Hier findet man sehr große Unterschiede. Ubisoft bringt z. B. jedes Jahr einen neuen Asssassin’s-Creed-Ableger auf den Markt, arbeitet dabei aber mit 800 bis 1000 Entwicklern weltweit an einem Spiel. Die Entwicklungsdauer dauert trotzdem länger als ein Jahr, es wird jedoch parallel an verschiedenen Titeln gearbeitet. Im Vergleich dazu dauert auch die Produktion eines Slot Games etwa ein Jahr. Die Entwicklung ist hier deutlich komplexer, als manche Besucher von Online Casinos vielleicht denken würden.

Allerdings arbeiten in einem Team für eines der Browserspiele auch nur rund ein Dutzend Menschen. Unterschiede gibt es dazu noch, wenn ein Spiel auf einem Vorgänger basiert. Oftmals können dann große Teile des Gameplays übernommen werden, außerdem steht im Game Design deutlich mehr bereits fest. So kann man z. B. bei der jährlichen Produktion von FIFA immer wieder an bestehenden Komponenten weiterarbeiten und die Zeit deutlich verkürzen.

Lange gewartet: Hat es sich gelohnt?

Einige Spiele wurde sogar dafür berühmt, extrem lange in der Entwicklung gebraucht zu haben. Ein beliebter Scherz unter Gamern basiert auf dem Spiel Half-Life, dessen Fortsetzungen lange Zeit angekündigt wurden. Der erste Teil des Videospiels erschien bereits 1988, über den zweiten Teil durfte man sich 2004 freuen. Seither kursieren Gerüchte über einen dritten Teil, die immer wieder bestätigt und verworfen wurden. Irgendwann war man sich nicht mehr sicher, ob es überhaupt einen weiteren Teil geben würde. Im März 2020, über 20 Jahre nach dem ersten Spiel, erschien Half-Life: Alyx, ein Shooter für VR-Brillen, der von vielen als langersehnte Fortsetzung gesehen wurde, einen echten Teil 3 gibt es allerdings bis heute nicht.

Auch bei anderen Produktionen ließ man sich viel Zeit – oftmals unfreiwillig. Das Spiel LA Noire ging z. B. 2004 in die Produktion und wurde erst 2011 fertiggestellt. Noch extremer war es bei Duke Nukem Forever, denn das Game wurde innerhalb von 14 Jahren entwickelt – und wenn wir ganz ehrlich sind, man sieht es ihm nicht an! Wirklich gelohnt hat sich das Warten laut zahlreicher Fans bei dem Spiel Diabolo III. Insgesamt arbeitete das Entwicklerteam 11 Jahre an dem Spiel, das 2012 erschien. Es wird von vielen noch bis heute gefeiert.

Der Zeitfaktor ist in der Spielentwicklung enorm wichtig, denn er entscheidet über das Budget und kann für schlechte Luft unter den Spielern sorgen. Ein gutes Zeitmanagement ist daher genauso wichtig in der Produktion, wie ein effektives Design und Gameplay.